Samstag, 14. Juli 2012

Dürfen Schamanen Geld verlangen - Blog von Kiat Gorina

Unlängst war abends eine gute Bekannte bei mir - eigentlich zum Plaudern. Da sagte sie zu mir: "Du bist ganz schön blöd, dass du kein Geld verlangst!" - Ich: "Wie meinst du das?" - Sie: "Meine Freundin hat dich mal angerufen, als sie schwanger war. Die Ärzte hatten sie untersucht und festgestellt, dass ihr Baby behindert sein wird."
Ich wurde hellhörig. Ich erinnerte mich an so einen Fall. Sie fuhr fort: "Und dann hast du gesagt, sie soll in ein anderes Krankenhaus gehen, und sich noch einmal untersuchen lassen. Das hat sie gemacht, und die Ärzte haben festgestellt, dass das Baby nicht behindert ist!"
Ich schwieg, obwohl ich vermutete, von wem sie sprach. Und sie redete weiter: "Das Baby ist wirklich nicht behindert! Das weißt du doch schon! Meine Freundin wollte dir Geld geben, du hast abgelehnt. Warum denn? Andere hätten für so einen Erfolg sicher mehrere hundert Euro verlangt!"
"Ich bin aber nicht andere!" brummte ich. "Und außerdem, was habe ich denn getan? Ich habe ihr einen Rat gegeben und nicht mehr! Dafür kann ich doch kein Geld verlangen!"
"Doch! Meine Freundin erzählte mir, das du nicht glaubst, dass das Baby behindert ist! Wie konntest du so etwas sagen?"
Ich sagte nur: "Ich habe es halt vermutet. Das ist alles." und wollte das Thema beenden. Da flippte sie aus: "Du hast es doch gewusst! Gib es zu! Das ist ja nicht zum Aushalten! Andere nehmen einen Haufen Geld dafür!"
"Also, jetzt hör mal gut zu! Wenn ich anfange, mit meinen Fähigkeiten Geld zu verdienen und für solche Ratschläge Geld zu verlangen, dann kann es passieren, dass mir diese Fähigkeiten genommen werden!"
"Das glaube ich nicht! Wie war es denn bei den Schamanen in der Mongolei? Die wurden doch sicher bezahlt?"
Ich schüttelte den Kopf. "Die Kranken oder ihre Angehörigen brachten dem Schamanen etwas von der Jagdbeute mit. Denn wenn der Schamane Kranke behandelt, da  kann er ja nicht zur Jagd gehen."
"Das glaube ich nicht. Meine Nichte hat mir erzählt, dass sie wegen ihrer Migräne bei einem Schamanen war, der schnitt sich mit einem Messer in seine Zunge und besprenkelte mit seinem Blut den Boden. Ihr ist ganz schlecht geworden! Und er verlangte dafür 300 Euro!"
"Und verschwand ihre Migräne?" Kopfschütteln.
Ich fuhr fort: "Da hat sie noch Glück gehabt. Es gibt Schamanen, die lassen das Blut auf die Stirn der Kranken tropfen."
"Da wäre meine Nichte bestimmt ohnmächtig geworden! Aber warum machst du das nicht?"
"Wieso sollte ich? Ich verteile nicht mein Blut, das brauche ich selbst!" und grinste. 
Sie murmelte etwas von "Dir ist einfach nicht zu helfen ..." und wechselte endlich das Thema.



Hochgeladen von totalverderbt am 19.10.2010

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Kommentare:

  1. Also da muss ich dir aber recht geben, das war doch wirklich nur ein einfacher Ratschlag. Dafür könnte ja dann jeder Geld nehmen. Und bei solchen Diagnosen ist eine Zweituntersuchung immer von Vorteil.

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    1. Eben, so sehe ich das auch! Dass da oft etwas Geheimnisvolles hineingedeutet wird - das verstehe ich nicht. Und Menschen können immer Fehler machen - sie sind keine Maschinen - und ich finde, das ist gut so

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